Geschichte



In diesem Jahr feiert die Löschenröder Schoppegarde e.V. ihr 17jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass möchte ich unsere Geschichte einmal kurz Revue passieren lassen.

Vor 17 Jahren kamen einige pubertierende Jugendliche auf den glorreichen Gedanken, dass man den Eintritt für Fastnachtsveranstaltungen doch am besten sparen könnte, wenn man sich selber am Programm beteiligt. Auch ging das Gerücht herum, ein Programmbeitrag wurde mit Bier belohnt werden. Das war natürlich ein Wort. 15 Jahre alt, wenig Taschengeld, Mädchen waren nicht mehr nur doof und dann bekommt man auch noch Bier versprochen.. —wie einfach man doch früher noch zufrieden zu stellen war...
Gesagt getan. Die Dorfjugend war schnell animiert. Frauenklamotten wurden in der Verwandtschaft aufgetrieben und BHs in atemberaubenden Körbchengrößen ausfindig gemacht. Es begann ein richtiger Streit um das beste Kostüm, der beinahe den örtlichen Rot-Kreuz-Kleidercontainer zum Opfer gehabt hätte...
Der Tanz war schnell erstellt. Hintern dreimal links, dreimal rechts, Drehung Drehung und anschließend ausziehen.

Das zweite Jahr brachte wenig Veränderung. Der Tanz war weiterhin bescheiden, die Kostüme nur unwesentlich besser und an unserem Benehmen ging die Evolution auch spurlos vorüber. Als grobe Bezeichnung für das Thema wäre '70’ Jahre' angebracht.

Im Dritten Jahr fand ein Wandel statt. Einige Leute hörten auf, neue Gesichter kamen hinzu. Es gab einheitliche Kostüme und zum ersten Mal einen halbwegs vernünftigen Tanz. Als Mexikaner verkleidet absolvierten wir in einem Jahr mehr als 15 Auftritte und stellten nach dem Ende der Kampagne einen gewissen Umbruch fest.

Der Ägypter Tanz brachte ein Jahr später entgültig den Erfolg. Die Sache ,Schoppegarde' war nicht mehr nur ein Klamauk für zwei Monate im Jahr, sondern nahm einen Großteil der Mitwirkenden schon Monate im Voraus in Anspruch. Die Kostüme, sowie das Bühnenbild, kosteten im Gegensatz zu den Kampagnen davor richtig Geld und sollten in Folge dessen mit einem guten Tanz unterlegt werden. In diesem Zusammenhang bedanken wir uns bei unserer Näherin Ursula Krassler und unserem Gestaltungsgenie Heino Firnung. Nach Meinung vieler, war die Kampagne eine Art Durchbruch und unser Bekanntheitsgrad in der Region stieg.

Der Aufwand für die Erstellung eines Tanzes nahm von Saison zu Saison stark zu. Es mussten immer wieder neue Leute integriert werden und altgediente Tänzer hörten auf. Es folgten die Tänze „Ghostbusters und Römer“ (2000), „Engel und Teufel“ (2001), „Star Wars“ (2002), „Elvis“ (2003), „Fluch der Karibik“ (2004), „Ritter und Robins“ (2005) und „Der Diamanten-coup“ (2006)  

In 2000 begannen die Planungen für das erste Schoppegehoppe in der Kulturscheune Eichenzell. Wir konnten nur im groben Rahmen abschätzen, wie diese Veranstaltung laufen würde. Jeder bekam ein paar Karten in die Hand gedrückt und musste versuchen sie an den Mann/Frau zu bringen. Am Abend der Veranstaltung war die Aufregung natürlich groß, ob überhaupt genügend Leute kommen und unser Konzept in Sachen Bedienung, Programm,... aufgeht. Es ging auf. Die Leute kamen in Strömen. Bereits zwei Stunden vor Beginn standen die ersten vor der Tür. Es bildete sich eine mehrere Meter lange Schlange vor dem Eingang und viele mussten wegen Überfüllung der Kulturscheune wieder weggeschickt werden. Der Abend war ein voller Erfolg und es stand fest, dass unser Schoppegehoppe in den nächsten Jahren fest eingeplant wird.


Bis heute ist das Schoppegehoppe unser Aushängeschild. Auf diesem Weg möchte ich mich auch noch einmal bei den vielen Helfern und Aktiven bedanken, die es zu diesem Erfolg gemacht haben. Das diesjährige Schoppegehoppe findet am 12.02.2010 statt. Infos zum Kartenverkauf unter » www.schoppegarde.de.

Abgesehen vom Schoppegehoppe, dass in jeder Kampagne am Freitag vor Rosenmontag stattfindet, dehnten wir unsere Aktivitäten auch auf weitere Bereiche aus. Wir begannen nach dem Ende der närrischen Zeit an Turnieren in ganz Deutschland teilzunehmen. Bei diesen Turnieren erreichten und erreichen wir mitunter beachtliche Erfolge und können uns dabei in guter Gesellschaft wissen, denn befreundete Männertanzgarden aus der Region sind hier gleichermaßen erfolgreich. Nach der 1. Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft 2005 in Köln, wo wir uns auf den 4. Platz tanzten, folgte in 2006 unser erster Fernsehauftritt im Hessen Fernsehen beim „Grand-Prix der strammen Waden“.  

Bei dieser Vielzahl von Aktivitäten und einer Anzahl von insg. 500 Auftritten, kam in der jüngeren Vergangenheit der Gedanke auf, sich als Verein einzutragen zu lassen und ein vereinseigenes Fahrzeug anzuschaffen. 2003/2004 ging aus dem Gedanken die ,Löschenröder Schoppegarde' e.V. hervor. In Zukunft soll sich die Schoppegarde zu einem richtigen Fastnachts- und Kulturverein wandeln, der für jeden Interessierten und Engagierten die Möglichkeit bietet, sich in eine Gemeinschaft einzubringen, sowie den Spaß und die Vorzüge eines aktiven Vereins zu erleben. Die Mobilmachung des Vereins geschah im November 2003. Zu diesem Zweck wurde in der Nähe von Würzburg ein altes ausgeschlachtetes Ford Transit Feuerwehrauto, Bj. 1978, aufgekauft und durch Vereinsmitglieder, TÜV gerecht, aus- bzw. umgebaut. Seither ist dieses Fahrzeug vor jedem Bürger- oder Vereinshaus Symbol dafür, wer in den Morgenstunden die Örtlichkeit abschließt, sofern die Karre auch wirklich ankommt… . In der Kampagne 2004/05 hat unsere ,Schogatte' auch erstmals unseren traditionellen Rosenmontagswagen auf dem Romo in Fulda ersetzt, da die Kampagne einfach für eine Gestaltung zu kurz war.

Nach dem es in Löschenrod jahrzehntelang Tradition war, dass sich die örtlichen Vereine mit der Ausrichtung der Fastnacht abwechselten, gab es in der Kampagne 2007/2008 einen Umbruch.
Die Gemeinde Eichenzell, unter der Federführung des ehemaligen Bürgermeisters Breithecker, baute uns Löschenrödern einen wahren Tempel der Fastnacht. Ein Bürgerhaus, das für die Ausrichtung einer erfolgreichen Kampagne geradezu prädestiniert ist. Endlich stand den Aktiven eine große Bühne zur Verfügung. Es gab nun ausreichend Platz, um große Veranstaltungen auszurichten und viele befreundete Vereine einzuladen.
Der Umbruch kam mit Prinz Holger, dem 54., vom flotten Schritt. Holger Breithecker, Mitbegründer der Schoppegarde und langjähriger Trainer der Tanzformation, stellte den ersten Prinzen der Schoppegarde dar. Eine Neuerung auch deswegen, da wir bewusst auf die übliche Kostümierung des Prinzen und seiner Mannschaft verzichteten und stattdessen eine themenbezogene Kampagne ins Leben riefen.
Bei Prinz Holger stand das Thema Rock n Roll über der Session. Sein Outfit, der Orden, auch die Prinzenmannschaft, alles wurde passend eingekleidet, um ein Gesamtbild zu schaffen, das unseren Verein auch etwas von der üblichen Verfahrensweise abhebt.
Diese Kampagne zog jedoch auch weitere Neuerungen nach sich. Erstmals war die Schoppegarde e.V. Basis und Ansprechpartner für weitere Löschenröder Gruppen, die ebenfalls auf neu organisierten Veranstaltungen wie dem „Frühschoppen“ mitwirkten.
Nach dem erfolgreichen Abschluss dieser Kampagne stand zur Disposition, ob man zur alten Regelung zurückkehrt und den Wechsel beim Ausrichten beibehält oder ob die Schoppegarde weiterhin die Ausrichtung übernimmt.
Die Entscheidung fiel für die Schoppegarde, da sich die Schoppegarde als Fastnachtsverein für jeden Interessierten sieht, sich über Jahre hinweg gute Kontakte aufbaute und aufgrund ihrer Altersstruktur auch die nötige „Manpower“ aufwies, um eine Session auf diesem Niveau zu stemmen.
In der Kampagne 2008/2009 setzte sich die Tradition der themenbezogenen Fastnacht fort. Mit Sonnenprinz Klaus, dem 55., und seiner Prinzessin Karina standen an der Spitze der Schoppegarde zwei verdiente und gestandene Karnevalistin, die mit ihrem Schlachtruf „die Sonne lacht“ und prächtigen Kostümen Glanzpunkte im Landkreis setzten. Unterstützt wurde unser Prinzenpaar von einem neu gegründeten Fanfarenzug, den Löschenröder Schoppebläser, die nicht altbackene Musik dudelten, sondern aus ihren Tröten und Trommeln so manch Gesäß zum Schwofen brachten. Die Schoppegarde Tanzformation erlebt einen Wechsel im Kleinen, denn erstmalig übernahm Markus Wess die Choreographie und stellte einen Tanz auf die Beine, der bei den Deutschen Meisterschaften einen fünften Platz abräumte. Bemerkenswert hierbei, diese Top-Platzierung mit dem Thema Italien, konnte auch dank vieler neuer junger Tänzer erreicht werden, für die es ihre erste Kampagne war.
2009/2010 versetzte ganz Löschenrod in den Dschungel. Bingo-Bongo Prinz Olli, der 56., Hüter des Großstadtdschungels, übernahm mit seinem Schlachtruf “Bingo-Bongo“ die Macht über alle Narren im Dorf. Im farbenfrohen Kostüm, mit goldenem Hörner-Helm und einem dicken Sperr bewaffnet, führte er die Jecken durch eine gelungene Kampagne. Innerhalb von drei Jahren hatte sich die Schoppegarde zu einem richtigen Verein entwickelt, der außer sechs Tanzgruppen und den Schoppebläsern, auf ein fantastisches Publikum, breite Unterstützung im Dorf und viele Helfer bauen konnte. Jede Veranstaltung war ausverkauft, die Programmvielfalt gehörte zu dem Besten in der Umgebung, selbst auswärtige Gruppen, die nicht aktiv teilnahmen, fanden sich zum Abschluss ihres Abends in Löschenrod ein, um bis in die frühen Morgenstunden Party zu machen. Party, ohne jegliche Vorfälle. Wo andere Vereine teilweise Security an die Tür stellen, gab es in Löschenrod noch nie Ärger. Alle feiern friedlich und zusammen. Die Schoppegarde tourte in diesem Jahr mit ihrem Tanz „Welcome to the jungle“ durch die Lande. Sie rundeten mit ihren gelungenen Tänzen das Motto des Prinzen ab und konnte im Verlauf des Jahres wieder einige erfolgreiche Platzierungen auf renomierten Turnieren erringen.
Einmalig in der Region dürfte auch sein, dass die Schoppegarde e.V. über drei Männertanzgarden verfügt. Die Löschenröder Junggesellen, Jahrgang 2000 (+-), sind zwar noch etwas vom „Mann-Sein“ entfernt, wissen aber mittlerweile schon ganz genau, was beim Publikum ankommt.
Von der Alterstruktur genau zwischen Junggesellen und Schoppegarde gelegen, die Löschenröder Klödendödler. 2009/2010 starteten sie im ersten Jahr gleich so durch, dass nicht nur Mädchenherzen brachen, sondern auch andere Gruppen aufmerksam wurden und es sogar schon Abwerbeversuche gab. In ihnen hat die Schoppegarde e.V. den Nachwuchs, der den ganzen Verein auf Jahre hinweg auf eine solide Basis stellt.
Die Basis besteht jedoch nicht nur aus Jungs, sondern angefangen bei unseren Moving Star, unseren kleinsten Damen, die schon fast alte Hasen der Fastnacht sind und jedes Jahr tolle Leistungen bringen, bis hin zu unsere Gruppe Rhythm Attack, Löschenrod hat unzählige Aktive und Leute, die trainieren und helfen, wo immer es auch nötig ist. Gerade Rhythm Attack erfordert viel Aufmerksamkeit, denn die jungen Ladies sind nicht nur auf der Bühne ein Hingucker, auch außerhalb des Rampenlichts muss so manch junger Mann angebunden werden, um sich nicht plötzlich einer Horde von geschätzten 15 Girlies gegenüber stehen zu sehen, deren ausgeprägtem Selbstbewusstsein er hoffnungslos unterlägen wäre.
Leider prägte diese Kampagne aber auch der Umstand, dass unsere langjährigen weiblichen Weggefährten, die Dancing Sins, ihren Abschied nahmen. Nach zehn erfolgreichen Jahren, mit unvergleichlichen Tänzen, einem tollen Zusammenwirken und wirklich heißen Frauen, gaben sie ihre letzten Auftritte. Wie die Schoppegarde Tanzformation mit dem Thema Affen, so begaben sich auch die Sins Richtung Afrika und vertanzten diese Thematik einmalig. Der Abschied fiel umso schwerer, als die Dancing Sins nach einer abgefahrenen Kampagne, unter dem Beifall vieler befreundeter Gruppen und der kompletten Prinzenmannschaft, das Scheinwerferlicht verliessen. Zu den Klängen der Schoppebläser flossen in diesem Augenblick zahlreiche Tränen.

Nach so viel Geschichte, freuen wir uns auf das Kommende! -Wir freuen uns auf 2010/2011, denn wieder steht ein Original an der Spitze der Schoppegarde! Prinz Frischi, der 57., unser Barbar ohne Haar!